Allgemeine Angaben
Anzahl verschickter Fragebogen
439
Anzahl ausgefüllter Fragebogen
58 (Rücklauf = 13.2%)
Anzahl erfasster Kinder
119
Davon Kinder mit diagnostiziertem POS/AD(H)S
74 23x POS/GG404 IV relevant
51x ADS/ADHS
1. Angaben zur aktuellen Situation (nur Kinder mit diagnostiziertem POS, ADS oder ADHS)
Kindergarten
3
Unterstufe 1.-4. Kl.
28
Mittelstufe 5.-6. Kl.
14
Oberstufe 7. – 9. Kl.
16
Lehre / FMS / Gymnasium
13
2. Besuch besonderer Klassen oder Massnahmen (z.T. nur zeitweise)
Sonderschule
11
Klasse zur besonderen Förderung (KbF)/Kleinklassen
14
RILZ (Reduzierte, individuelle Lernziele)
11
EILZ (Erweiterte, individuelle Lernziele)
1
Repetition
18
Schulausschluss
5
Kinder, die eine Privatschule besuchen
14
3. Unterstützende Massnahmen durch Schule oder IV angeboten und/oder finanziert
(total bezogene/erteilte Unterstützung während je eines Schuljahres)
Heilpädagogische Unterstützung
88 (verteilt auf 39 Kinder)
Logopädie
92 (verteilt auf 26 Kinder)
Legasthenie- / Dyskalkulietherapie
50 (verteilt auf 21 Kinder)
Psychomotorik
57 (verteilt auf 28 Kinder)
Ergotherapie
48 (verteilt auf 22 Kinder)
Total Therapiejahre:
335 (verteilt auf 74 Kinder, die gemeinsam 431 Schuljahre absolviert haben)
weitere:
Verhaltenstherapie, Psychotherapie, Heileurythmie
· Von den 74 erfassten Kindern erhielten 69 Kinder (93%) eine oder mehrere unterstützende Massnahmen.
· Davon erhielten 21 Kinder eine unterstützende Massnahme, 26 Kinder besuchten zwei Angebote,
· 21 Kinder deren drei und 1 Kind sogar vier.
· Total erhielten die 69 Kinder 335 Jahreslektionen. Verteilt auf die absolvierten 431 Schuljahre bedeutet das, dass sie grundsätzlich während 78% ihrer Schulzeit eine Therapiemassnahme erhielten. Es ist jedoch so, dass viele Kinder während weniger Jahre mehrere Therapien besuchten.
4. Privat finanzierte unterstützende Massnahmen
Privatschulen: Christliche Schule, Campus Muristalden, Rudolf Steiner-Schule, Feusi Bildungszentrum, Grüntal, Sesamschule, Musische Schule, Heimschule Schlössli Ins, Neue Mittelschule (NMS), Die Schule die bewegt (dsdb).
Weitere Massnahmen: Unterstützung bei den Hausaufgaben zuhause, Homeschooling, Kinesiologie (5x), Cranio-Sacral-Therapie (4x), Nachhilfeunterricht (3x), Aufgabenhilfe (3x), Französischnachhilfe (2x), Mathematiknachhilfe, Englischnachhilfe, Deutschnachhilfe, Neurofeedback (2x), Legasthenie-Therapie, Schulbereitschaftsabklärung, Logopädieabklärung (alle 2 Mte), Homöopathie, Hypotherapie, psychiatrische Unterstützung, 'Handle', Davis-Training, Schwimmen/Turnverein auf Anraten des Neurologen, Schulwegbegleitung, heilpädagogische Unterstützung (2x), heilpädagogisches Reiten (2x), Reiten (2x), ORB nach MEDAU (2x), Elternberatung durch eine Fachperson, HIK, Puppentherapie, Erziehungsberatung, Lerntherapie, körperzentrierte Psychotherapie, Anteil an Sonderschulkosten, Spieltherapie, Gruppentherapie am Institut für Heilpädagogik und Psychotherapie in Luzern (IHPL),
Zusammenfassung der Bemerkungen der Eltern
Bemerkungen zu den unterstützenden Massnahmen
· Die Freizeit fällt weg, weil viele Termine anstehen.
· Zusatzversicherungen bei der Krankenkasse übernehmen gewisse Kosten
· Zum Teil langjährige Beziehungen. Immer wieder mit Kind und Therapeuten Ziele hinterfragen. Mut zu Therapiepausen.
· Schade, dass die heilpädagogische Unterstützung durch den Früherziehungsdienst mit dem Schuleintritt endet. Es fehlt ein entsprechendes Angebot für Schulkinder.
· Mussten im 5. Schuljahr HIK ganz übernehmen, im 6. Schuljahr hat der Kanton HIK übernommen.
· Logopädin hat nach 1/2 Jahr aufgehört mit der Begründung, dass es nichts nütze.
· Wir wohnen sehr abgelegen => grosse Distanz zu 'Therapieorten'
· Die Spieltherapie war methodisch nicht ADHS-adäquat, hat aber unserem Kind trotzdem gut getan. Allerdings aufgrund Zusatzversicherung/nicht KK-pflichtig nicht länger finanzierbar.
· Als Alleinerziehende hatte ich grosse Mühe im Bereich Finanzierung, weshalb mich der ablehnende IV-Entscheid (durch veraltetes Testverfahren der Kinderärztin und ev. auch tatsächlich nicht nachweisbaren „Wahrnehmungsstörungen“, es geht ja um den Reizfilter, nicht die Aufnahmefähigkeit der Sinnesorgane), vor grosse Probleme stellte und teilweise auch Massnahmen verunmöglichte.
· Nachteilausgleich durch Erleichterungen in Sprachen am Gymnasium wegen Legasthenie.
5. Welche Erfahrungen haben Sie in der Zusammenarbeit mit Lehrpersonen gemacht?
Ja
Nein
Regelmässiger Austausch mit der Lehrperson
76%
24%
Aufgabenheft gegenseitig visieren
53%
47%
Wissensstand der Lehrpersonen über ADHS / ADS
53%
47%
Erfährt Ihr Kind genügend Verständnis in der Schule
56%
44%
Bekommt Ihr Kind die notwendige Unterstützung
56%
44%
6. Ihre Bemerkungen / Anregungen, welche wir bei Lehrer vertreten sollen:
Umsetzung/Erfahrungen in der Schule
· Die Lehrer machen das Bestmögliche, sie sind mit 1.-3. Klasse im Schulzimmer bei 22 Kindern einfach an der Grenze ihrer Möglichkeiten.
· Mehr männliche Lehrpersonen für Knaben.
· Mit den Stärken der Kinder arbeiten, diese fördern.
· Es gibt nicht immer nur einen richtigen Weg, etwas zu erreichen. Die Lehrmittel sollten angepasst werden.
· Klare Strukturen, Abläufe etc., die verbindlich und zeitlich klar definiert sind.
· Verschiedene Arbeitsplätze anbieten (Korridor, Ball, Boden, Matratzen, Zelt, ...)
· Die Schule sollte ganzheitlich auf die Kinder eingehen.
· Der Heilpädagoge ist nicht mehr fix einem Kind zugeteilt. Er arbeitet jetzt in der Klasse. Unterstützung kommen allen zu Gute: Ein ADHS-Kind 'profitiert' jedoch nun zu wenig.
· Die Privatschule, welche unser Kind besucht, hat kleine Klassen. Unser Kind kann mit ADHS keine öffentliche Schule besuchen, da es sich in einer grossen Klasse nicht konzentrieren kann. Trotz Diagnose plus IV-Anerkennung müssen wir die Kosten der Privatschule vollumfänglich selber tragen.
· Anzahl der Schüler in einer Klasse soll nicht über 20 liegen. Lehrer sollten sich Unterstützung in Form von weiterer Lehrkraft unkompliziert organisieren können (Kostenübernahme durch die Schulbehörde).
· Meine Erfahrung ist: Die Lehrpersonen haben noch 20 andere Kinder in der Klasse, wollen alle gleich behandeln, haben keine Zeit, sich speziell einem Kind zusätzlich zu widmen. Dies verstehe ich einerseits sehr gut, widerspricht andererseits dem neuen öffentlichen Auftrag.
· Die Lehrpersonen sollten Strafmassnahmen in der Schule durchführen und nicht nach Hause verlagern.
· Kinder haben nicht nur die Pflicht, sondern auch ein Recht auf die Schule.
· Das Verständnis innerhalb der Klasse ist oft schwierig (Aussenseiter, eher langsamer Schüler).
· KKD ist für unsere Gemeinde nicht mehr möglich, nur noch Integration. Schade. Unser Kind konnte dort viel profitieren.
· Ab Sekundarstufe II war nicht mehr genügend Verständnis vorhanden, trotz ADS-Fachperson. Schulabbruch aufgrund von massivem Mobbing und Unverständnis/Ängste der Lehrer.
· Zum Teil gute Lehrpersonen mit Wissen um ADHS, zum Teil wenig ADHS-Wissen und keine Bereitschaft, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, trotz konstruktiver Hilfestellung von Seiten der Eltern. Ein Schulwechsel brachte massive Verbesserung der Gesamtsituation.
· Habe bis jetzt vom Integrationsartikel in unserer Gemeinde noch nicht viel gespürt. Im Gegenteil wurden bei uns die Kriterien für den Sekübertritt noch einmal verschärft und auf Lega usw. wird überhaupt keine Rücksicht genommen.
· In unserer Gemeinde sollte ein Umdenken auch für Kinder mit Lernschwäche stattfinden. Die Kinder sollten besser integriert werden.
· Fairness in der Gruppe fördern und auch die Folgen von ausgrenzendem Verhalten deutlich machen.
· Umgebungsreize minimieren und/oder bei Prüfungssituationen unbedingt für Ruhe und Ablenkungsfreiheit sorgen (für alle wichtig ...).
· Ich fände Nachteilsausgleich (mildere Bewertung zwecks Motivationsbewahrung) sinnvoll: z.B. Mathematik – nicht Geschwindigkeit/Repetitionsfähigkeit sondern die Rechenschritte selber prüfen.
· Gruppenarbeiten beaufsichtigen, damit Zusammenarbeit unter Leistungsdruck nicht zu Ausgrenzungsprozessen führt, Zufallsgruppenbildungen statt „Wählen“, kurz: alles, was stigmatisieren könnte, vermeiden.
· Frühestmögliche Aufklärung der Schülerinnen/Schüler über Verschiedenartigkeit von Kindern, Sichtbare und unsichtbare „Behinderungen“ bzw. Gründe für „Verhaltensauffälligkeiten“ und toleranten Umgang miteinander. Auch z.B. Möglichkeit, mit „nervigen“/uncoolen Kindern halt abwechslungsweise – aber keines Falls nicht mehr zu spielen. Und vor allem auch für deren Stärken zu sensibilisieren (Fantasie beim Spielen, Gerechtigkeitssinn etc.)
· Klare Regeln sind wichtig, klare Rahmenbedingungen/Strukturen notwendig
Unterstützung in der Schule
· In der Volksschule haben wir wenig Unterstützung erhalten, unhaltbare Prognosen wie "Ihr Kind wird wohl nicht lesen lernen" oder "Mit Ihren finanziellen Mitteln sollten Sie das Kind in die Privatschule geben, wir können es nicht genug unterstützen." Das Kind war hypoaktiv, keine störenden sozialen Auffälligkeiten, sehr starke Legasthenie.
· Da unser Kind in eine spezielle Schule geht, hat er mehr Unterstützung als in einer Regelschule.
· Der Wissensstand der Lehrpersonen ist relativ gut, trotzdem bin ich der Meinung, dass ADS-Kinder nicht die notwendige Unterstützung bekommen. Die Klassenzimmer sind voll von verschiedensten Problemen.
· In der Unter- und Mittelstufe war das Verständnis der Lehrpersonen vorhanden. Für Unterstützung musste ich jedoch die Initiative ergreifen.
· Ein begabtes Kind bekommt die nötige Förderung in der Schule nicht oder nur in geringem Ausmass.
Zusammenarbeit/Erfahrungen der Eltern
· Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Eltern und Schülern wäre wichtig.
· Sich bei Überforderungssituationen sofort bei den Eltern melden.
· Wir haben und suchen immer wieder den Kontakt zur Schule.
· Lehrpersonen sollten schneller hinschauen und systemischer denken. Im Spezialunterricht unseres Kindes lief es nicht gut, aber davon wussten wir nichts. Schade für die Ressourcen.
· Der Erfolg steht und fällt mit der Lehrperson und der Kooperation Schule/Elternhaus. Ehrliche Informationen ohne Beschuldigungen sind hilfreich und fördern das Verständnis.
· Falls nötig, auch Rücksprache mit dem behandelnden Arzt nehmen. Gut informieren. Ab und zu Standortbestimmungen durchführen.
· AD(H)S-Erfahrung: "Wir sind froh, dass das Kind die Medikamente nimmt"
· 'Schwierige Kinder' heisst nicht automatisch 'schwierige Eltern'.
· Gerade junge Lehrkräfte könnten von uns Eltern profitieren.
· Eine gute Zusammenarbeit würde vieles erleichtern.
· Wir Eltern kennen die Schwierigkeiten von Integration, individueller Betreuung, Spardruck etc. bestens.
· Offene Kommunikation zwischen Schülern, Lehrern, Eltern, Lehrmeister ist wichtig
· Die Lehrperson wurde immer offener für mein Kind und für das Problem ADHS.
· Nach meiner Erfahrung nehmen viele Lehrkräfte die Eltern von solchen Kindern zu wenig ernst, blocken oft Gespräche gleich oder fühlen sich persönlich angegriffen, bevor sie überhaupt wissen, um was es genau geht. Die Mittelstufe ist für diese Kinder besonders schwierig, da Aufgabenmenge enorm und coachen die alleinige Aufgabe der Eltern ist.
· Sensibilität an Elternabenden
· Wir haben gelernt, uns auf unsere Wahrnehmung als Eltern zu verlassen und nach Rücksprache mit Lehrkräften unserem Gefühl zu vertrauen, auch wenn wir nicht immer einig mit den Lehrkräften waren. Dieser Weg hat sich im Nachhinein betrachtet als wirkungsvoll und richtig erwiesen.
· Frühzeitig Unterstützung / Hilfe anfordern
· Mehr Interesse an ADS / ADHS und mehr Bereitschaft zur konstruktivern Zusammenarbeit aber weniger Druck auf die Eltern – den haben Eltern sowieso schon, keine Schuldzuweisungen.
Wissen/Information/Weiterbildungen im Bereich POS/ADS/ADHS
· Praktikum für Lehrpersonen bei Familien oder Heimen mit ADS-Kindern.
· Die Lehrpersonen haben keine Ahnung, kein Verständnis aber vor allem kein Interesse am Alltagsleben eines ADS-Kindes. Sie spielen die Problematik immer herunter. [...]. Die Information des Arztes an die Lehrpersonen erhielten zwei von drei Hauptlehrpersonen nicht.
· Dank der Kleinklassenlehrperson konnte unser Kind wieder zurück in die Regelklasse - Die Regellehrpersonen waren zu wenig informiert über POS oder ADHS.
· Lehrpersonen müssen zwingend Bescheid wissen über ADHS.
· Es kommt in unserem Schulhaus sehr auf die persönliche Motivation der Klassenlehrkraft an. Deshalb wären allgemeine Richtlinien für den Umgang mit ADHS-Kindern in der Schule sinnvoll, evtl. auch als obligatorische Lehrerfortbildung.
· Mehr Info über AD(H)S. ELPOS-Veranstaltungen sind besser als Lehrerfortbildungen.
· Grundwissen erlangen über ADS/ADHS und über andere Krankheiten/Behinderungen der Kinder. Es gibt keine 'Norm', alle Kinder sind anders => Kinder unterrichten und nicht nur Stoff vermitteln.
· In der Schule ist der Wissensstand der Lehrpersonen sehr unterschiedlich: einige reduzieren das Krankheitsbild auf die Abgabe von Medikamenten. Sind Lehrkräfte sensibilisiert, ist ein sehr gutes Engagement und eine Förderung des Austausches Eltern-Lehrerinnen/Lehrer-Kind zu erkennen. Durch die allgemeinen Integrationsmassnahmen stehen die Lehrkräfte jedoch unter hohen Belastungen. Leider stehen zu wenig Fachleute (Heilpädagoginnen) zur Verfügung.
· Lehrpersonen sollten die ADS-Problematik besser kennen lernen.
· Noch mehr Aufklärung über ADS/ADHS z.B. bezüglich Sitzposition in der Klasse, Ablenkungsmomente für diese Kinder.
· Lehrpersonen sind in der Unterstufe im Allgemeinden zu wenig über ADS ohne Hyperaktivität informiert. Diese Kinder fallen ja nicht auf. Die Leistungen werden der mangelnden Intelligenz zugeschrieben. Das Interesse der Lehrpersonen an Weiterbildung diesbezüglich fehlt.
· Ich habe auf Seiten der Lehrerschaft wenig Verständnis und noch weniger Wissen gesehen ("Er könnte, wenn er nur wollte"). Zudem hohe Abneigung gegen die Medikamente. Dafür viele Ratschläge für Alternativen (Aromatherapie, Farbkärtchen, magnetische Schuheinlagen, Kraniosakraltherapie, ...)
· Infos über ADHS sollte nicht nur vom Klassenlehrer sondern auch zusammen mit Fachlehrern erfolgen. Gemeinsame Strategien und Ziele Formulieren.
· Lehrpersonen sollen sich unbedingt über die organischen Ursachen/Wahrnehmungs- bzw. Reizfilterschwächen informieren und die Kinder niemals wegen impulsiver Reaktionen vor den anderen blossstellen – oder sogar noch beim Ausgrenzen unterstützen.
· Wissensstand und Bereitschaft der Lehrkräfte sind sehr unterschiedlich.
· Das Schulsystem ist allgemein nicht kindergerecht.
Bremgarten, erarbeitet 12.5.2011/Sn
ergänzt 19.9.2011/mn